Wie weit ist Europa bei der Windenergie?

Brüssel - Europa drückt in Sachen Klimaschutz aufs Tempo. Im Juni einigten sich Unterhändler aller EU-Institutionen auf das Ziel, 32 Prozent des gesamten Energie-Bedarfs der Europäischen Union bis 2030 aus Alternativenergie zu decken. Gemeint ist dabei Ökostrom aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse als auch erneuerbare Energien zum Heizen und Kühlen sowie für den Verkehr. Im für die Energiewende wichtigen Windkraftsektor haben die europäischen Länder ihre Produktion seit dem Jahr 2000 gut verzehnfacht. Deutschland speist mit jährlich 56 Gigawatt derzeit am meisten Windenergie ins Netz ein.

Windenergie in Europa

Trotz des guten Ausbaus der Windenergie droht Deutschland derzeit, die EU-Klimavorgaben nicht zu erfüllen. Wenn die jetzigen Trends sich fortsetzten, werde Deutschland seine Verpflichtungen beim Treibhausgas-Sparen für die Jahre 2021 bis 2030 «um konservativ geschätzte 616 Millionen Tonnen CO2» verfehlen, heißt es in einer Mitte September veröffentlichten Untersuchung der Denkfabriken Agora Energiewende und Agora Verkehrswende. Der Ausgleich durch den Ankauf von Emissionsrechten könnte Deutschland im nächsten Jahrzehnt insgesamt 30 bis 60 Milliarden Euro kosten.

Hintergrund ist, dass Deutschland beim Klimaschutz nicht nur ein nationales Ziel für 2020 und ein internationales Ziel für 2030 hat. Für die Bereiche Verkehr, Heizungen, Agrar, Müll und Kleingewerbe - also jenseits von Großindustrie und Stromproduktion - schreibt die EU CO2-Budgets für jedes Jahr vor. 2016 hat die Bundesrepublik das Budget erstmals um 1,8 Millionen Tonnen CO2 gerissen. Da sie zuvor ihre Pflichten übererfüllt hatte, bleibt noch ein gewisser Spielraum, der aber bis 2019 aufgebraucht sein dürfte, wie Daten des Bundesumweltministeriums schon Anfang des Jahres zeigten.